Deutsch + Niederdeutsch

Ich bin zweisprachig aufgewachsen, wobei ich aufgrund einer neurologischen Erkrankung erst mit 4/5 Jahren angefangen habe zu sprechen. Deutsch ist dabei meine Hauptsprache, die ichauf normalem Wege erworben habe. Niederdeutsch habe ich dabei durch meine Großeltern gelernt, aber nicht in einem solchen Maße wie Deutsch und es war eher wie eine halbe Muttersprache. Ich habe mir seit der Pubertät noch viele Dinge auf aktiverem Wege beigebracht und so ein Muttersprachenniveau erlangt.

Deutsch ist meine Muttersprache und daher natürlich die Sprache, in der ich mich am besten ausdrücken kann. Ich finde sie eigentlich sehr schön vom Klang her und finde die altertümlichen Formen und Strukturen, die man darin noch mancherorts finden kann, sehr interessant. Besonders die Etymologie interessiert mich. Ein gewisser Sprachstolz gehört schon dazu, insbesondere, weil ich sehr froh bin, Deutsch als Muttersprache zu haben – dessen Bedeutung in Europa ist noch stets nicht zu unterschätzen. Wahrscheinlich durch meine Muttersprachen beeinflusst gehören die germanischen Sprachen zu meinen Lieblingssprachen und damit beschäftige ich mich oft in meinem Studium.

Niederdeutsch habe ich durch meine Großeltern gelernt und spreche es relativ selten, weil die Sprache im Norden ziemlich ungebräuchlich geworden ist und meine Eltern selbst es kaum sprechen können. Manchmal treffe ich mich mit ein paar Niederdeutsch-sprechenden Freunden zu einem Stammtisch, doch auch nur sporadisch. Manchmal spreche ich es noch mit meiner Oma. Doch hat der Fakt, dass ich meinen Dialekt zum „Standard“-Niederdeutschen hin verändert habe, macht es schwerer, dass wir uns unterhalten können. Ich arbeite zudem bei der Bremer Volkshochschule als Niederdeutschlehrer und ehrenamtlich oder als Praktikant manchmal beim ‘Institut für niederdeutsche Sprache’.

Niederdeutsch ist eine germanische Sprache, die im Norden von Deutschland, im Süden von Dänemark, im Osten von den Niederlanden und von zahlreichen Russland-Mennoniten weltweit gesprochen wird. Es ist eine Minderheiten- bzw. Regionalsprache, die vom Aussterben bedroht ist. Es gibt zurzeit noch ca. 5 Millionen Sprecher, womit es nach Katalanisch die zweitgrößte Regionalsprache ist. Allerdings ist die Sprecherzahl in den letzten 40 Jahren um die Hälfte geschrumpft und es kommt in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht mehr vor. Um dem entgegen zu wirken, habe ich das Aktivismusprojekt ‘Plattfoorm’ ins Leben gerufen.